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Sunday, September 13, 2015

Ratatat: Magnifique (Albumkritik)

 

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Ratatat: Magnifique (Because)

Gitarrist Mike Stroud und Produzent Evan Mast sind praktisch zum Ausgangspunkt zurückgekehrt. Das Duo, das auf Synthesizer und improvisierte Gitarrenlinien setzt, ließ die sparsamen Elemente des 2010 erschienenen Werks LP4 hinter sich und verstärkt auf diesem fünften Studioalbum seine dahinjagende Energie, wobei auch reichlich Lärm gemacht wird. Diese Nachricht sollte alle Fans erfreuen, die die letzten fünf Jahre auf die Rückkehr der „vintage“ Version von Ratatat gewartet haben. Die beiden Musiker tauchten erstmals 2004 mit einem gänzlich unheiligen und aufregenden Mischmasch von Hip-Hop-Produktion, kreischender Gitarre und blubbernden Synthesizern. Sie klingen noch immer wie ein Solo von Jimmy Page oder Brian May , das man mit einem musikalischen Zwischenspiel aus einem Spiel von Nintendo kombiniert hat: verspielt und absichtlich die wichtigen Trends der Popmusik und der elektronischen Musik des Jahres 2015 ignorierend. Die Single „Cream on Chrome“ schwebt in einen überschäumenden Groove hinein, während „Nightclub Amnesia“ zu Beginn knietief in krachenden Gitarren watet, ehe der Song mehr an Justice circa 2007 erinnert. Magnifique hat gewisse Längen, was oft der Fall ist, wenn Instrumentalnummern auf der Basis sich wiederholender Versatzstücke aufgebaut sind, aber es beweist die Hingabe der Band an den für sie typischen schrulligen Stil.

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Prides: The Way Back Up (Albumkritik)

 

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Prides: The Way Back Up (Island)

Die Zeiten, da Bands, wenn ihnen die Ideen ausgingen, ihr zweites oder drittes Album nützen, um einen stadiontauglichen Sound zu kreieren, scheinen vorüber zu sein. Nun nehmen Bands wie Bastille, Imagine Dragons und Prides „stadium-sized“ als Startpunkt – im Falle der letzteren bedeutet dies ein an Synthesizerklängen reiches Debütalbum, das klingt, als hätte man Chrvches an eine Luftpumpe angeschlossen. Von Herzen, die “like timpani drums” pochen, bis hinzu den radiofreundlichen “wahey-ooh” Gesängen ist fast alles an diesem Album GROSS. Leider ist eines, das vielleicht Wichtigste, nicht groß: der Sinn für Identität. Das aus Glasgow stammende Trio wirkt „one-trick“ und streng zielgruppenorientiert: sie könnten genauso gut eine der vielen anderen neuen Gruppen sein, die gerade versuchen, den Durchbruch zu schaffen. Auf „It’s Not Gonna Change“ wird Stewart Brocks schottischer Akzent offenbar und man hört Ansätze eines gefühlvolleren kaledonischen Sounds – aber er wird bald von Schlagzeug mit reichlich Hall und zischenden Synthesizern, die Zähne auflösen könnten, in den Hintergrund gedrängt.

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Rickie Lee Jones: The Other Side of Desire (Albumkritik)

 

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Rickie Lee Jones: The Other Side of Desire (The Other Side of Desire Music)

Die Zeiten könnten für kommerziell nicht so im Rampenlicht stehende Künstler wie Rickie Lee Jones kaum härter sein. Sie finanzierte dieses Album mit Hilfe einer PledgeMusic Kampagne und durch den Verkauf alter Bühnenoutfits. Es beendet eine 10 Jahre dauernde Schreibblockade: Als sie nach drei Alben voller Coverversionen und Neuaufnahmen alter Songs wieder den Drang verspürte, neue Musik zu machen, suchte sie in ihrer neuen Heimat New Orleans nach Inspiration. Die Stadt.ist ihr jedoch auf subtile Weise unter die Haut gegangen, weshalb einiges An Selbsterforschung und Beobachtung erforderlich war, um die Einflüsse zu erkennen.Es gibt nur wenige offenkundige Hommagen – der lärmende klavierlastige R&B von „J’ai Connais Pas“ und der Bayou-Pop von „Haunted“ sind im Grunde schon alle. Die wirklichen Früchte dieser 10-jährigen Pause sind für Songs reserviert, in denen die bohemehafte Spiritualität der Stadt mit ihrer eigenen Lebensweise verschmilzt – und unter ihnen finden sich einige Leckerbissen. Da gibt es einen lieblichen Lobgesang auf ihren Hund („Juliette“), eine markige Warnung davor, Lektionen aus früheren Beziehungen zu vergessen („Haunted“), und ein Finale, in dem keuchendes Sousaphon und verrücktes Kichern gerade noch auf der richtigen Seite des Wahnsinns bleiben.

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Son Lux: Bones (Albumkritik)

 

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Son Lux: Bones (Glassnote)

“This moment changes everything”, erschaudert Son Lux, während eine Trommel etwas durchschlägt, was wie Betonblöcke klingt, Chorsamples anschwellen und verzerrte Streicher schläfrig herumflattern wie mechanische Schmetterlinge, die man dringend aufziehen sollte. Bones bemüht sich zumindest redlich, die Grenzen der Popproduktion zu sprengen. Lux hat hier mit Sufjan Stevens, Lorde und Boots, Produzent von Beyoncé, zusammengearbeitet, was den electro-klassisch/experimentell/R&B-Stil andeutet, dem er sich widmet. Doch sein Versuch, diese Genres auf diesem Album zu verschmelzen, ist fast zu ambitioniert, um anhörbar zu sein. Stimmen werden als Instrumente eingesetzt, Rhythmen kämpfen um ein wenig Raum, Tracks haben mehr Höhe- und Tiefpunkte als das Finale eines Musicals von Andrew Lloyd Webber und es gibt hier so viele Knochen zermalmende Klangtexturen, dass man das Gefühl hat, die Ohren würden mit einem Bohrer traktiert. Jenseits des theatralischen Getöses von Songs wie „Flight“ und „This Time“, sind jedoch simplere Vergnügen zu finden, etwa die filmische Dunkelheit von „I Am the Others“ und das folkigere „Undone“, das die perfekte Balance zwischen komplexen Rhythmen und verlockenden Akustikgitarren-Licks findet. Mitunter muss symphonischer Pop nicht bis zum Rand mit Klängen und Instrumenten vollgepackt sein, um seine Wirkung zu entfalten.

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C Duncan: Architect (Albumkritik)

 

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C Duncan: Architect (Fat Cat)

Wenn es bei der Popmusik vor allem ums richtige Timing geht, dann scheint Christopher Duncan, zumindest auf den ersten Blick, ein Problem zu haben. Eine Hitzewelle im Hochsommer dürfte wahrlich nicht der beste Veröffentlichungstermin für Songs wie „Say“ oder „Silence and Air“ sein, die mit Chorpassagen aufwarten, die so winterlich sind, dass man praktisch das Schaben der Schneeschaufeln und das Zusammenbrechen des Verkehrs hören kann. Allerdings scheint Duncan kein Interesse an typischen Arbeitsmethoden zu haben. Der 25-jährige Künstler aus Glasgow ist ein klassischer Komponist, der am Royal Conservatoire of Scotland studierte und auf diesem Debütalbum baut er komplexen Chorgesang in ein poporientiertes Setting ein. Es gelingt ihm, ineinander verwobene Gesangslinien mit den Klängen von englischem Folk und üppigem Dreampop a la 4AD zu verschmelzen. „He Believes in Miracles“ und der Titelsong, die beide einen psychedelischen Glanz haben, lassen den Hörer erkennen, dass Duncan sich auch sehr wohl fühlt, wenn er Musik für sonnigere Gegenden schreibt, was dies zu einem magischen Album für alle Jahreszeiten macht.

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Black: Blind Faith (Albumkritik)

 

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Black: Blind Faith (Nero Schwarz)

Colin Vearncombe wird für immer als Schöpfer des 1987 erschienenen melancholischen weltweiten Hits „Wonderful Life“ – No. 1 in Österreich! – in Pop-Aspik konserviert werden, aber er hat nie aufgehört, als Musiker und Komponist weiterzuarbeiten, obwohl er in den letzten 27 Jahren nie mehr die Top 40 geknackt hat. Blind Faith, sein siebentes Album unter dem Namen Black, ist ein wunderbares kleines Ding – ein weniger temperamentvoller, weniger slebstverliebter Cousin von Scott Walkers ersten vier Soloalben. Es ist, genau wie diese,stark von europäischer Balladenkunst durchdrungen und mit feinen Arrangements gefüllt – die plötzlich einsetzenden und anschwellenden Streicher und jazzigen Shuffles von „Womanly Panther“ sind ein Vergnügen. Vearncombes leicht gebrochener Bariton passt perfekt zur Musik und sorgt dafür, dass kein Song ins Schwülstige abgleitet; sein Gesang erfüllt die Musik mit Menschlichkeit, selbst wenn das Bedauern aufwallt: “I am not the man you want me to be”, singt er auf „Not the Man“, “Here comes the talking / Slamming doors you then have to throw open.” Der Pop-Ruhm liegt für Vearncombe weit zurück, doch Blind Faith ist ein Album eines Mannes, der genau weiß, wie er sein Talent einsetzen muss.

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Jenny Hval: Apocalypse, Girl (Albumkritik)

 

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Jenny Hval: Apocalypse, Girl (Sacred Bones)

Die norwegische Künstlerin Jenny Hval präsentiert, ähnlich wie Björk und FKA Twigs, eine Version weiblicher Sexualität, bei der fleischliche Gelüste, Ängste und die weibliche/männliche Perspektive oft verknüpft werden. Ihr 2013 erschienenes, von John Parish produziertes Album Innocence Is Kinky übersetzte Theorien über Identität und Ungleichheit zwischen den Geschlechtern in streitlustigen Art-Pop. Dass sie gerne Pornos ansieht, war da nur der Anfang. Der Nachfolger hat ebenfalls das Zeug dazu, den Hörer tagelang zu beschäftigen. Das Album befasst sich mit vielen derselben Ideen, die mit Hilfe einer erotischen futuristischen Klanglandschaft vorgebracht werden, die sich aus gesprochenen Texten, verzerrtem Chorgesang, Sci-Fi-Elektronik und ihrem typisch flaumweichen Gesang zusammensetzt, der von verletzlich in kraftvoll umschlägt, wenn sie Phrasen wie “soft-dick rock” und “capitalist clits” zum Besten gibt. „Take Care of Yourself“ listet Stereotype auf, die durch sexuellen Konsumismus (“shaving in all the right places”) aufrechterhalten werden; im fast meditativen „The Battle Is Over“ stellt sie sich eine Zukunft vor, in der “feminism is over”, wobei ihre Prosa über dezentem Orgel-Pop dahinfließt; und „Sabbath“ könnte tagsüber auf jedem Popsender laufen, käme darin nicht so oft und geradezu triumphal das Wort “cunt” vor. Das Album ist provokant, aber dies sind Ideen, die man im Pop kaum zu hören bekommt, wodurch es noch verlockender wird.

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Fraser A. Gorman: Slow Gum (Albumkritik)

 

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Fraser A. Gorman: Slow Gum (Milk!/Marathon Artists)

In Fraser A Gormans Welt hat das Internet noch nicht Einzug gehalten. Auf seinem Debütalbum, das sich komfortabel neben dem Werk von Courtney Barnett, seiner Kollegin aus der Indie-Szene von Melbourne, einordnen lässt, bietet er langsame Betrachtungen über die Liebe und Alltäglichkeiten in einem Soundgewand, das man nur als lieblich trällernde Americana bezeichnen kann. Während sich Miss Barnett für härtere Gitarren entschied, badet Gorman Songs wie „Mystic Mile“, „My Old Man“ und „Broken Hands“ im warmen Glanz von Orgelakkorden, Mundharmonika und Lap Steel Guitar. Auf Slow Gum strafft Gorman den rauheren Sound seiner 2013 erschienenen EP, die schlicht seinen Namen trug, auch wenn er sich nach wie vor stark beim entspannten Folk-Pop der 70-er und pianolastigen Singer-Songwriter-Balladen bedient. Das Ganze kommt ein wenig ins Straucheln, wenn die Songs anfangen, miteinander zu verschmelzen und aufeinander abzufärben – ein wenig mehr Abwechslung bei Tempo und Klangtexturen wäre nicht verkehrt gewesen.

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LA Priest: Inji (Albumkritik)

 

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LA Priest: Inji (Domino)

Auf gewisse Weise ist es nicht überraschend, dass LA Priests Sam Dust ein Debütalbum veröffentlicht hat, das klingt, als wäre jeder Song von einem anderen Künstler geschrieben worden. Von 2004 bis 2010 verwischte er als Frontmann von Late of the Pier Genregrenzen und durchtränkte so die fesselnd vielseitige Version von Nu-Rave-artigem Pop dieser Band mit einer unbändigen Teenager-Energie. Nun, in seinen Mitt-20-ern gießt er schummrigen 70-er-Popglanz unterschiedlicher Dicke über Inji, wobei er auf eine Weise von fröhlicher Dance Music zu verträumten Balladen, die extrem innovativ ist und, was ziemlich überraschend ist, ein so etwas wie ein solides Ganzes ergibt. Auf „Party Zute/Learning to Love“ beschwört er Basement Jaxx, mit der Eröffnungsnummer „Occasion“ Prince und „A Good Sign“ ruft Erinnerungen an die übersprudelnden Psychedelia-Songs seines Freundes und früheren Mitstreiter Connan Mockasin wach.Die ganze Zeit hindurch wirkt Dusts schräge Herangehensweise an Synthpop, funk und Electronica hemmungslos und von Forscherdrang inspiriert. Dieses Album erinnert uns daran, dass die Verarbeitung verschiedenster Einflüsse nebeneinander grandiose Resultate zeitigen kann, wenn ein fähiger Künstler am Werk ist.

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Linden: Rest and Be Thankful (Albumkritik)

 

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Linden: Rest and Be Thankful (AED)

Lindens Joe McAlinden war einst Frontmann der in den 90-ern bei Creation unter Vertrag stehenden Band Superstar, die mit fröhlichem Gitarren-Pop mit deutlichem Big Star Einfluss die Musikwelt erobern wollte. Sie waren nicht so erfolgreich wie die schottischen Labelkollegen Teenage Fanclub, auch wenn ihnen die unwahrscheinliche Ehre zuteil wurde, dass Rod Stewart eine Coverversion eines ihrer Songs aufnahm. Heutzutage betreibt McAlinden ein “small, characterful” Restaurant am Ufer des Loch Fyne, wo Gaumenfreuden wie “new garlic and pheasant’s egg” serviert werden, aber er hat offensichtlich noch genügend Zeit für melodischen Sonnenschein. Die Atmosphäre von Argyll durchdringt Songs, die in einer Blockhütte aufgenommen wurden und mit Anspielungen auf Boote, das Älterwerden und die Freuden der Elemente durchsetzt sind, von der Brise bis hin zum Klang der ländlichen Stille. Die Palette ihres sanft erbaulichen Sounds erstreckt sich von The Velvet Underground bis zum MOR der 70-er und wird mit aggressiven Gitarren und Bläsern aufgefrischt. Im Zentrum des Albums steht McAlindens schwermütiger Gesang, der wunderbar beobachtete Songs vorantreibt, die so entzückend sind wie die Sonne über dem See.

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Giorgio Moroder: Deja-vu (Albumkritik)

 

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Giorgio Moroder: Deja-vu (Sony)

Hätten Sie im Alleingang die Richtung der elektronischen Musik verändert hätten, würden Sie sich vermutlich ebenfalls eine längere Auszeit gönnen. Deja-vu ist Giorgio Moroders erstes Soloalbum seit einer Zusammenarbeit mit Phil Oakey im Jahre 1985. Seit damals hat er “a lot of golf” gespielt, während der Sound, dessen Vorreiter er war, nach und nach fast den gesamten modernen Pop beeinflusste und zeitweise beherrschte. Die Liste der musikalischen Gäste auf diesem Comeback – die Zusammenarbeit mit Daft Punk im Jahr 2013 spornte ihn dazu an – führt uns deutlich vor Augen, welchen Status er unter den Kollegen hat: Sia, Charli XCX, Kylie und Britney fanden sich vor dem Mikrophon ein. Man darf sich von Moroder, der vor kurzem 75 wurde, vermutlich nicht mehr erwarten, den Pop ein weiteres Mal neu zu erfinden. Einige Momente hier sind unverkennbar „vintage Moroder“, etwa das eisige Synthesizer-Intro zu „Back & Forth“, in dem eine durch den Vocoder gejagte Kelis zu hören ist. Doch für jeden anständigen Refrain gibt es auch einen Moment, in dem Moroder Opfer seines enormen Einflusses wird, und Songs wie „Don’t Let Go“ und „Tempted“ wirken wie typischer Chart-Pop, wie man ihn zur Genüge gehört hat – vermutlich nicht die Art von Déjà-vu, auf die er aus war.

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Simply Red: Big Love (Albumkritik)

 

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Simply Red: Big Love (East West)

Drei Jahrzehnte sind seit Simply Reds Debüt vergangen und Mick Hucknall ließ bereits wissen, dass ihr 11. Album ihr letztes sein dürfte. In Anbetracht dessen hängt eine runzelige Nostalgie über diesem blauäugigen Soul – die Songs sind glatt und sentimental, wie Easy-Listening-Grabinschriften. Wehmütige Klagelieder sind nichts Neues für die Band und ihre hemmungslose Aufrichtigkeit hat Bestand. Doch auf Big Love klingen diese Emotionen schroff. Von „Love Wonders“ über „Love Gave Me More“ bis hin zum Titeltrack ist wenig Phantasie zu bemerken - „Dad“, eine Hommage an Hucknalls verstorbenen Vater, überzeugt jedoch mit seiner jungenhaft liebenswerten Einfachheit. Hucknalls Stimme, so voller Wärme und Zärtlichkeit, klingt von den Jahren natürlich verwüstet – nicht ganz ein Todesknurren, aber doch mitunter stark strapaziert. Zum Glück macht sich die Libido des berühmten Schürzenjägers inmitten des Schmalz hin und wieder bemerkbar: “All the feeling’s so right”, singt er auf dem heißen, leicht funkigen „Tight Tones“, “on this hot horny night.”

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Zhala: Zhala (Albumkritik)

 

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Zhala: Zhala (Konichiwa)

Es sollte niemanden überraschen, dass Zhalas Debütalbum ein kaleidoskopischer Ausbruch von Electropop ist. Die 27-jährige Schwedin ist die erste Künstlerin, die von Konichiwa Records unter Vertrag genommen wurde, und fiel dem Boss ihres Labels vermutlich mit jener Art dröhnender Tanzmusik mit lieblichem Gesang auf, die sehr gut auf eine Robyn Remix-Single passen würde. Doch Zhala kann man nicht einfach auf ihren Protegé-Status reduzieren. Sie mischt Rhythmen und Instrumentierungen, die ihr kurdisches Erbe deutlich machen, mit Elementen des durch und durch klangvollen Scandi-Pop-Sound, wie man in von Niki and the Dove und Tove Lo kennt. „Prince in the Jungle“ ist ein perfektes Beispiel für naive, Bubblegum-Pop-Melodien, die auf „tribal“ Drums und zischende Synthesizer treffen, während „Aerobic Lambada“ – mit seinem kühlen, fast geschrienen “dance for me/ light your hair” Hook – mit einigen unerwarteten, euphorischen Akkordfolgen überzeugt. Insgesamt ist dies ein Album, das das vereinende Potenzial des Dancefloor verkörpert – wenn Sie es sich sitzend anhören, werden Sie wahrscheinlich nicht lange sitzen bleiben.

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Sarah Cracknell: Red Kite (Albumkritik)

 

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Sarah Cracknell: Red Kite (Cherry Red)

Die nervöse Energie der Zeit unmittelbar nach der Party war auf Sarah Cracknells 1997 erschienenem Debütalbum Lipslide allgegenwärtig – aber auf ihrem zweiten Album flüchtet die Saint Etienne Sängerin vom Club aufs Land. Die idyllischen akustischen Balladen auf diesem von Carwyn Ellis und Seb Lewsley, den Produzenten von Edwyn Collins, produzierten Werk sind intim und unschuldig: „In the Dark“ bezieht sich auf die schüchterne Einsamkeit eines Nick Drake oder Colin Blunstone und im Text spukt der närrische Kummer der Girl Groups der 1960-er herum. Untreue und Betrug sind allgegenwärtig, etwa auf „Hearts Are for Breaking“ (“You only wanted him because he only wanted me”) oder der rauchigen Eröffnungsnummer „On the Swings“ (“She’s never going to stay in your arms / She’s only around for a while and then she’s gone”), während „It’s Never Too Late“ und „Underneath the Stars“ an die schicke Schrulligkeit von Belle and Sebastian oder Stereolab erinnern. Im Zentrum steht immer Cracknells leichter, eleganter Gesang; ein schwereloses Mysterium mit schwerem Herzen.

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Iris DeMent: The Trackless Woods (Albumkritik)

 

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Iris DeMent: The Trackless Woods (FlariElla)

Country meets Russland, dank einer der unverwechselbarsten Sängerinnen und Songschreiberinnen der USA. Iris DeMent ist nicht gerade produktiv; vor ihrem 2012 erschienenen Album Sing the Delta legte sie eine 16 Jahre dauernde Schaffenspause ein. Nun veröffentlichte sie ein 18 Songs umfassendes Konzeptwerk, das von ihrer russischen Adoptivtochter beeinflusst ist. Iris DeMent vertonte darauf Gedichte der bemerkenswerten Anna Akhmatova, die die Schrecken der Stalin-Ära erlebte, sich aber weigerte die Sowjetunion zu verlassen, obwohl sie zum Staatsfeind ernannt wurde. “I drink to the house, already destroyed, and my whole life, too awful to tell”, schreibt sie in Last Toast. Zum Glück liegen die Texte bei; sie sind so großartig wie DeMents robuste und emotionale Country- und Gospelmusik. Das Album wurde in ihrem Wohnzimmer aufgenommen; ihr ziemlich rauher Gesang wird von ihrem eigenen Klavierspiel und gelegentlich auch von einer Band, der unter anderem Gitarrenmeister Leo Kottke angehört, wunderbar begleitet. Ein ruhiger, aber kraftvoller Triumph.

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Don Broco: Automatic (Albumkritik)

 

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Don Broco: Automatic (Epic/Sony Music)

Die Band aus Bedford knackte 2012 mit ihrem 2012 erschienenen Debütalbum, auf dem sie eine Mischung aus Alt-Rock und Hochglanz-Pop boten - Busted gekreuzt mit Biffy Clyro und den Red Hot Chili Peppers – die Top 30. Drei Jahre später ist dieses zweite Album hörbar so gestaltet, dass es ihre Fangemeinde vergrößern und breitere Hörerschichten ansprechen soll. Vermutlich aufgrund des Erfolgs von The 1975 verzichten sie auf die härteren Riffs und setzen stattdessen auf einen neuen Sound, der Pop im Stil der 80-er durch einen radiofreundlichen Filter jagt, so dass eine maschinell auf Hochglanz polierte Mischung von Duran Duran und Level 42 herauskommt. Es ist auf kommerziellen Erfolg ausgelegtes, energisches Zeug. “Determination! Have I got what it takes?” fragt Rob Damiani, wobei er eine Bejahung erwartet. Und falls nicht? “Keep on, keep on pushing!” Wenn überhaupt, dann ist dieses Album zu bemüht. Es gibt viele, viele “ooh ooh ooh”s, atmosphärische Gitarren und Keyboard-Motive, die als Soundtrack von Miami Vice circa 1985 dienen könnten. „Automatic“ und „Let You Get Away“ sind quälend eingängig, aber gefühllos, und falls Don Brocos ursprüngliche Fans sich nervös abwenden, wird Automatic wahrscheinlich der große Durchbruch oder der Absturz der Band.

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Saturday, September 12, 2015

Little Boots: Working Girl (Albumkritik)

 

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Little Boots: Working Girl (On Repeat)

Die naive, von Synthesizer-Klängen Besessene, die auf den ersten beiden Alben von Little Boots - Hands und Nocturnes - zu finden war, gehört der Vergangenheit an. Die Victoria Hesketh des Jahres 2015, CEO von On Repeat Records, ist ein Working Girl: sie steht um 5 Uhr früh auf, verbraucht Unmengen Elnett und verbringt ihre Tage damit, “Buy! Sell!” in ein riesiges Telefon zu brüllen. Es dauert zwei Songs, bis man erkennt, dass die Anlehnung an die Ästhetik der Geschäftsfrauen der 80-er eine Fehlbezeichnung ist: ihr niedlicher, perfekt produzierter Pastell-Pop zeigt eine Künstlerin, die eher einsam als unabhängig ist und eher distanziert als herausfordernd. Gelegentlich bringt sie ihre Autorität zur Geltung – etwa auf dem frechen „Get Things Done“ oder auch auf „Better in the Morning“, einer Ode an den Büro-Kater, die wie eine leichtfertige Schwester von Suzanne Vegas „Tom’s Diner“ wirkt. Aber oft erscheint das Gefühl schwach: „Real Girl“ handelt von einem nichtsnutzigen Freund, aber anstatt ihn brutal zu töten, fleht sie“Won’t you treat me like a real girl?”, ehe sie auf dem anämischen „Heroine“ labert: “You were my hero, I was your heroine”. Working Girls Schwäche besteht nicht in Heskeths Unsicherheit und auch nicht in den Songs selbst, sondern darin, dass es nicht bietet, was es verheißt.

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Joss Stone: Water for Your Soul (Albumkritik)

 

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Joss Stone: Water for Your Soul (STONE'D)

Joss Stone wurde einst als Wunderkind bekannt, konnte aber in ihrer nun bereits sieben Alben umfassenden Karriere die Kritiker nie so ganz überzeugen, was zumindest zum Teil daran liegt, dass ihre persönlichen Eigenarten, etwa der Annahme eines amerikanischen Akzents bei den Brit Awards 2007, ihr unbestreitbares Talent in den Schatten stellen. Water for Your Soul beinhaltet ähnliche Elemente kultureller Aneignung: der sich für die Legalisierung von Marihuana stark machende Track „Sensimilla“ wird für massenhaftes Augenrollen sorgen, weil sie unbedingt einen Teil davon auf Patois singen muss, was auch bei „Harry’s Symphony“ der Fall ist (ihr Akzent – “If you want to get ‘igh, bring your own supply” etc. – verwandelt den Song in Stones eigenes „Dreadlock Holiday“, was wahrscheinlich nicht beabsichtigt war). Man fragt sich, warum Co-Poduzent Damian Marley nicht von dieser Dummheit abriet, denn der letztere Song – eine Rückbesinnung auf den Reggae der 80-er, der grüblerisch davor warnt, auf die “bad boys” hereinzufallen – ist mehr als anhörbar und andere Momente dieses von Reggae und afrikanischer Musik beeinflussten Albums sind ebenfalls mehr als in Ordnung. „Way Oh“s gewichtiger Goth-Reggae kontrastiert mit Stones subtilem Gesang; „Stuck on You“ ist eine Schlagzeugübung für Tablas und afrikanische Trommeln und erfreut zugleich mit einer von Stones aufrichtigsten, gefühlvollsten Darbietungen. Es ist durchaus wert, sich dieses unvoreingenommen anzuhören.

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